
Auf zum Shooting: Die Londoner Fotografin EILEEN PERRIER errichtet für einen Tag ein Fotostudio auf einem Frankfurter Markt ein und bittet Anwohner, Markthändler, Kunden und Passanten zur Porträtsitzung. So entsteht nicht nur ein Porträt der Menschen, sondern auch des Ortes und des sozialen Kontextes.
Die Fotografin Eileen Perrier wird für einen Tag ein kleines, mobiles Fotostudio auf dem Frankfurter Schillermarkt einrichten. Dort bittet sie Anwohner, Markthändler, Kunden und Passanten zur Porträtsitzung. In Anlehnung an die klassischen Fotostudios des 19. und frühen 20. Jahrhunderts benutzt sie eine Großformatkamera und eine historische Kopfstütze, damit das Modell seine Position während der langen Belichtungszeit halten kann. Mit dieser Studiosituation und der damit verbundenen direkten Begegnung mit der Fotografin sind heute nur noch die wenigsten vertraut. Damit die Porträts entstehen können, müssen sich beide Seiten einen Moment Zeit nehmen, in dem sie über den Kameraapparat quasi miteinander verbunden sind. Perrier erforscht mit ihrer in situ-Porträtfotografie, also einer Porträtfotografie, die an Ort und Stelle entsteht, zum einen die individuellen Gesichtszüge und mimischen Merkmale ihres Modells, zum anderen das spezifische Erscheinungsbild eines Ortes, welches sich grundlegend in den Menschen manifestiert, die diesen Ort frequentieren. Für sich genommen ist jede Fotografie das sensible Porträt eines Individuums, als Serie bekommen die Fotografien beinahe den Charakter eines Katalogs, der die Bewohner und Passanten eines bestimmten sozialen Raums festhält. Auch die Benutzung der Großformatkamera ist in diesem Sinne ambivalent und erinnert einerseits an die Technik, mit der Kriminologen und Anthropologen im späten 19. Jahrhundert versuchten, Menschen bestimmter sozialer Milieus oder ethnischer Gruppierungen zu katalogisieren und zu fixieren, andererseits an die beinahe in Vergessenheit geratene frühe Zeit des Fotostudios, das aufgesucht wurde, um die Familienmitglieder mithilfe einer Fotografie in Erinnerung zu behalten.
Eine Auswahl der im „Schillermarkt Studio“ entstandenen Fotografien wird bis zum Ende der Ausstellung in der Zentrale der Schirn Kunsthalle zu sehen sein. Wer Modell sitzt, kann eine Kopie seines Porträts mit nach Hause nehmen.
WANN: 19. AUGUST 2011
WO: Schillermarkt, Frankfurter Innenstadt
Schillermarkt Studio
For one day only, the photographer Eileen Perrier will establish a small mobile photographic studio at Frankfurt’s Schillermarkt. Residents, market traders, shoppers and passers-by are invited to sit for a portrait. In the style of typical 19th, and early 20th century photographic studios, she uses a large format camera and historic headrest, supporting the model during the long exposures. Few of us are familiar today with this studio situation and, accordingly, the direct contact with the photographer. To create the portraits, both sides have to take some time out during which they are, as it were, connected via the camera. With her in-situ photography, a portrait photography that occurs on the spot, Perrier investigates, on the one hand, the individual characteristics and body language of her models, and on the other hand, the specific appearance of a given location, fundamentally manifested in the people frequenting this location. Each photo in itself is a sensitive portrait of an individual, yet as a series they almost turn into a catalo recording the residents and passers-by of a particular social space. In that sense, the use of a large format camera is equally ambivalent, suggesting the technique used by criminologists and anthropologists during the late 19th century, cataloguing or categorizing people of specific social and ethnic backgrounds. It is also reminiscent of the almost forgotten early era of the photographic studio, which was frequented to create mementoes of family members in the form of photographs.
A selection of the photos taken at the ‘Schillermarkt Studio’ will be on display at the Zentrale at Schirn Kunsthalle until the end of the exhibition. Models can keep a copy of their portrait.






