JACOB DAHLGREN

*1970 in Stockholm, lebt und arbeitet in Stockholm, Schweden
1994-99 Kungl. Konsthögskolan (MA), Stockholm
1991-94 Grafikskolan in Stockholm
1990-91 Nyckelviksskolan

 

Jacob Dahlgren untersucht Formen malerischer Abstraktion, die im Alltag zu entdecken sind. Seine Materialien sind dabei häufig geradezu banal alltäglich und „kunstfremd“: Plastikbügel, Joghurtbecher, Dartscheiben, Buntstifte, Spiegel, Schwämme, Seidenbänder, gestreifte T-Shirts. Gegenstände, die unserer Alltagswelt entstammen und zu denen wir deshalb ein Gefühl der Vertrautheit entwickelt haben, werden von Dahlgren kontrolliert und mit klarem Konzept eingesetzt. So offenbaren die meisten trivialen Gegenstände ihr „Kunstpotenzial“ erst dann, wenn Dahlgren sie quasi ins Serienprinzip überführt.

Für die Arbeit „I, the world, things, life“, mit welcher der Künstler 2007 im Nordischen Pavillon der Biennale vertreten war und die auch in diesem Jahr bei der Nacht der Museen in der Schirn zu erleben war, verwendete er einfache Dartscheiben, deren – eigentlich funktional gedachtes – Muster durch die massenhafte Anordnung auf einer riesigen Wand in ein großes, abstraktes Bild verwandelt wurde. Die Formensprache Dahlgrens funktioniert, indem sie auf Seherfahrungen rekurriert, die den Betrachter an verschiedene künstlerische Stile des 20. Jahrhunderts wie Konstruktivismus, Op Art, Minimal Art und Pop Art erinnern, und ein kollektives Bildgedächtnis aufruft. Die Auseinandersetzung mit der Kunst der Moderne ist für Dahlgren jedoch nicht nur ein formales Unterfangen.

Seinen Bildkompositionen, raumgreifenden Skulpturen und Installationen wohnt bei aller formalen Strenge etwas lustvoll Befreiendes inne, häufig machen sie den Betrachter zum Mitspieler oder Produzenten. So konnten Besucher die oben genannten Dartscheiben mit Pfeilen bewerfen und das Bild somit selbst verändern oder komplettieren – eine besondere Form von Action Painting. Mit der Auflösung der Grenze zwischen Kunstwerk und Rezipient wird das modernistische Kunstwerk in einen offenen Prozess überführt, wobei diese Transformation auch als spielerische Erneuerung des utopischen Potenzials der Moderne verstanden werden kann.

Zur Aktion des Künstlers

www.jacobdahlgren.com

 

*1970 in Stockholm, lives and works in Stockholm, Sweden
1994 – 1999 Kungl, Konsthögskolan, (MA), Stockholm
1991 – 1994 Grafikskolan, Stockholm
1990 – 1991 Nyckelviksskolan

 

Jacob Dahlgren explores forms of painterly abstraction found in everyday life. His materials are frequently rather banal and not commonly used in art: plastic hangers, yoghurt tubs, dartboards, crayons, mirrors, sponges, silk ribbon, stripy t-shirts. Objects rooted in our everyday lives, and that we have become familiar with, are controlled by Dahlgren, and he uses them according to very clear concepts. Thus, many of the most trivial objects only reveal their ‘potential as art’ when Dahlgren translates them into series.

For ‘I, the world, things, life’, shown at the Norwegian Pavilion at the 2007 Biennale in Venice, he used ordinary dartboards, transforming their – de facto functional – design into a large abstract image, due to the multitudinous arrangement on a giant wall. Dahlgren’s use of form works by falling back on visual experience, reminding the viewer of specific styles of the 20th century, such as constructivism, op art, minimal art, and pop art, thus evoking a collective pictorial memory. Dahlgren’s consideration of modern art is not only of a formal nature. Despite their apparent formal austerity, his compositions, sculptures and installations have a ravishingly liberating quality, and they frequently turn the viewer into a participant and producer.

Viewers were able to throw darts at the above-mentioned dartboards, thus altering, or completing the picture – a particular form of action painting. By dissolving the boundaries between the work of art and the recipient, the modernist work of art is transformed into an open process, whereupon this transformation can also be appreciated as a playful rehabilitation of the utopian potential of modernism.

action of the artist

www.jacobdahlgren.com

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