SAN KELLER

*1971 in Bern, lebt und arbeitet in Zürich
1997 – 1998 Weiterbildungsklasse Bildende Kunst, Schule für Gestaltung Bern
1998 – 2001Studienbereich Bildende Kunst, Schule für Gestaltung Zürich

 

Keller bezeichnet sich selbst gerne als „Dienstleistungskünstler“. So bot er im Jahr 2000 mit der Arbeit „San Keller schläft an Ihrem Arbeitsplatz“ den Auftraggebern an, an ihrem Arbeitsplatz zu schlafen, während diese arbeiten. Der Lohn für das Schlafen wurde dabei mit dem durchschnittlichen Tageslohn des Arbeitenden in Kongruenz gesetzt. Die Frage nach dem Wert einer Tätigkeit und der emotionalen Verbindung zu Themen wie „Gehalt“ und „Bezahlung“ zieht sich durch Kellers Arbeiten. Für die Aktion „Mein Kontostand“, die er in diesem Jahr für eine Ausstellung im Kunsthaus Baselland durchführte, veröffentlichte er während der Kunstmesse Art Basel täglich den aktuellen Stand seines Girokontos und druckte diesen in großer Schrift auf Tischsets, die in ausgewählten Restaurants und Wirtshäusern unter die Teller geschoben und dort auch vom Künstler selbst benutzt wurden. „Mein Kontostand“ ist nicht nur ein ironischer Kommentar auf die Mechanismen des Kunstbetriebs, sondern spielt auch mit dem „Veröffentlichen“ eines Tabus, nämlich dem demonstrativen Zeigen des privaten Kontostands, der – gerade bei einem Künstler – doch massiven Schwankungen ausgesetzt und nicht selten vom Absturz bedroht ist.

Ein Vorläufer der Aktion „Markt der Freiwilligen“, die San Keller für Playing the City 3 entwickelt hat, ist „Kiosk (Temporärer Idealismus)“ von 2010. Auch diese Arbeit beschäftigt sich mit einer Markt- bzw. Handelssituation und fragt nach der Wirtschaftlichkeit künstlerischer Arbeit und damit verbundenen Klischees (entweder vom Künstler als Mitglied eines romantisierten Prekariats oder vom Künstler als einem, der im wahrsten Sinne des Wortes aus Dreck Gold machen kann). Keller stellte Künstlern eine Woche lang einen Kiosk zur Verfügung, um dort ein selbst gewähltes Buch zu verkaufen. Der Kiosk hatte jeweils nur so lange geöffnet, bis dieses Buch verkauft war. Kaufen, Verkaufen, Handeln sind Vorgänge, die wir täglich ausführen und die für uns gewöhnlich geworden sind – Kellers Kiosk macht daraus ein einmaliges Ereignis, das nicht wiederholt werden kann und so den Charakter einer Versuchsanordnung erhält. Wie unter einem Brennglas lässt sich der singuläre Moment beobachten, in dem ein Ding vom Besitzer entlassen wird und seine Zugehörigkeit ändert, um einem anderen zu gehören.

Zur Aktion des Künstlers

www.museumsankeller.ch

 

*1971 in Bern, lives and works in Zurich
1997 – 1998 further education Fine Art, Schule für Gestaltung, Bern
1998 – 2001 student of Fine Art, Schule für Gestaltung, Zurich

 

Keller likes to call himself a ‘Service-Artist’. With his work ‘San Keller schläft an Ihrem Arbeitsplatz’ (‘San Keller sleeps at your workplace’), 2008, Keller offered his clients to sleep at their place of work while they are at work. The wages for sleeping were congruent with the average daily wage of the worker. The notion of the value of an occupation, and the emotional connection with the issue of ‘salary’ and ‘pay’ is present in many of Keller’s works. For the action ‘Mein Kontostand’ (‘My account balance’), carried out for an exhibition at Kunsthaus Baselland this year, he published his account balance daily during the Art Basel, printing it in large script onto table sets. In selected restaurants, these were pushed under plates, where the artist also used them. ‘Mein Kontostand’ not only works as an ironic statement about the mechanisms of the art world, but also addresses the ‘publishing’ of a taboo, namely the demonstrative display of one’s private account balance, which – in the case of artists – is often subject to massive fluctuations, and is at times close to crashing.

A precursor to the action ‘Markt der Freiwilligen’ (‘Market of the Volunteers’), developed by San Keller for ‘Playing the City 3’, is ‘Kiosk (Temporärer Idealismus)’ (‘Kiosk (Temporary Idealism)’), 2010. This work also deals with a market or trade situation, und explores the economic merit of artistic work as well as the clichés attached to it (the stereotype of an artist as a member of a romanticized precariate, or as someone who has the Midas touch, turning everything they touch into gold). Keller provided artists with a kiosk for one week to sell a book of their choice. The kiosk remained open only until that book had sold. Buying, selling and trading are transactions we undertake on a daily basis, we have become accustomed to them – Keller’s Kiosk turns it into a unique event that cannot be repeated and thus maintains the character of a controlled experiment. As if seen through a magnifying glass, we are able to observe the very moment an item is released by its owner, and changes its affiliation to belong to someone else.

action of the artist

www.museumsankeller.ch

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